Ratgeber

Lohnt sich ein Stromanbieterwechsel wirklich?

Lesezeit ca. 6 Minuten · zuletzt aktualisiert

Die kurze Antwort: ja, wenn du aus der Grundversorgung kommst – der Bundesschnitt liegt dort 4,9 ct/kWh über einem neu abgeschlossenen Vertrag, je nach Haushaltsgröße also rund 74 bis 208 Euro im Jahr. Die längere Antwort ist interessanter, denn der zweite Wechsel entscheidet, ob die Ersparnis bleibt.

Woraus dein Strompreis besteht

Der Preis hat nur zwei Bestandteile, und beide stehen auf deiner Rechnung:

  • Arbeitspreis in Cent je Kilowattstunde – das ist der Teil, der mit dem Verbrauch skaliert.
  • Grundpreis in Euro pro Monat – fällt an, egal ob du Strom nutzt oder nicht.

Rund die Hälfte des Arbeitspreises sind Netzentgelte, Steuern und Abgaben. Die kann kein Anbieter beeinflussen – sie sind in deinem Netzgebiet für alle gleich. Verhandelbar ist nur der Beschaffungs- und Vertriebsanteil. Genau deshalb ist der Preisunterschied zwischen Anbietern begrenzt, aber eben auch verlässlich vorhanden.

Praktische Konsequenz: Bei niedrigem Verbrauch (Single-Haushalt) fällt der Grundpreis stärker ins Gewicht, bei hohem Verbrauch der Arbeitspreis. Ein Tarif mit sehr niedrigem Arbeitspreis und hohem Grundpreis kann für eine Person ein schlechtes Geschäft sein und für eine Familie ein gutes.

Die realistische Größenordnung

Grundversorgung gegen neu abgeschlossenen Vertrag, gerechnet mit dem belegten Abstand von 4,9 ct/kWh:

HaushaltVerbrauchUnterschied / Jahr
1 Person1.500 kWh≈ 74 €
2 Personen2.500 kWh≈ 123 €
3 Personen3.500 kWh≈ 172 €
4 Personen4.250 kWh≈ 208 €

Werte vor einer eventuellen Servicegebühr. Was in deinem Netzgebiet tatsächlich möglich ist, lässt sich erst mit einer Tarifabfrage auf deine Postleitzahl sagen – diese Tabelle ist eine Orientierung, keine Berechnung für deinen Haushalt.

Kommst du dagegen aus einem bereits gewechselten Sondertarif, ist die Spanne kleiner. Der Bundesschnitt über alle Haushalte liegt bei 37,0 ct/kWh und damit nur 2,1 ct über dem Neuvertragspreis – bei 2.500 kWh sind das rund 53 Euro. Immer noch mehr, als die meisten Sparmaßnahmen im Haushalt bringen, und es kostet einmal zehn Minuten statt dauerhafter Verzichtsdisziplin.

Fünf Tariffallen, die im Ranking gut aussehen

1. Vorkasse

Du zahlst bis zu zwölf Monate im Voraus. Geht der Anbieter insolvent, ist das Geld Teil der Insolvenzmasse – realistisch also weg. Der Rabatt dafür liegt bei wenigen Prozent. Schlechtes Verhältnis.

2. Kaution

Eine Sicherheitsleistung, die du nach Vertragsende zurückbekommen sollst. In der Praxis dauert die Rückzahlung oft Monate und ist bei Streit ein Hebel des Anbieters.

3. Pakettarife

Du kaufst ein festes Kontingent, etwa 2.500 kWh. Verbrauchst du weniger, verfällt der Rest. Verbrauchst du mehr, wird jede weitere Kilowattstunde teuer nachberechnet. Da niemand seinen Jahresverbrauch punktgenau trifft, verlierst du fast zwangsläufig.

4. Der Bonus, der das Ranking trägt

Vergleichsportale zeigen standardmäßig die Kosten im ersten Jahr inklusive Neukundenbonus. Der Bonus kann ein Drittel der ausgewiesenen Ersparnis ausmachen. Im zweiten Jahr fehlt er komplett. Prüfe deshalb immer auch den Preis ohne Bonus – die meisten Portale haben dafür einen Filter.

5. Kurze Preisgarantie

„12 Monate Preisgarantie“ klingt gut, deckt aber oft nur den Beschaffungsanteil ab – Steuern und Netzentgelte sind ausgenommen. Achte auf die Formulierung „eingeschränkte Preisgarantie“.

Faustregel: Tarif mit monatlicher Zahlung, ohne Kaution, ohne Vorkasse, ohne Paket, maximal 12 Monate Laufzeit. Alles andere verkauft dir Risiko als Rabatt.

Warum der zweite Wechsel wichtiger ist

Der typische Verlauf sieht so aus: Jahr 1 wechselt man, spart spürbar und ist zufrieden. Jahr 2 verlängert sich der Vertrag automatisch, der Bonus fällt weg, der Preis steigt auf Normalniveau. Jahr 3 hat man wieder fast das Ausgangsniveau – nur diesmal ohne das gute Gefühl, etwas getan zu haben.

Wer die Ersparnis halten will, hat zwei Möglichkeiten. Entweder man setzt sich jedes Jahr zwei Kalendererinnerungen – eine für die Kündigungsfrist, eine für den neuen Vergleich – und zieht das konsequent durch. Oder man gibt es an einen Wechselservice ab, der genau diesen Rhythmus automatisiert und sich über einen Anteil der erzielten Ersparnis finanziert. Beides funktioniert; nur das Nichtstun funktioniert nicht.

Was du dafür brauchst

  • Deine Zählernummer – steht auf der Jahresabrechnung und auf dem Zähler selbst.
  • Deinen Jahresverbrauch in kWh – Seite 1 der Abrechnung.
  • Deine Postleitzahl, weil Netzentgelte regional unterschiedlich sind.

Mehr nicht. Die Kündigung beim alten Anbieter übernimmt in aller Regel der neue.

Wann sich der Wechsel nicht lohnt

  • Du hast erst vor wenigen Monaten gewechselt und bist noch im Bonusjahr – dann warte den Ablauf ab und wechsle rechtzeitig zum Laufzeitende.
  • Du heizt mit Gas aus einer Zentralheizung, die über die Nebenkosten abgerechnet wird – dann hast du keinen eigenen Vertrag.
  • Du hast einen Wärmepumpen- oder Nachtspeichertarif mit separatem Zähler – das ist ein Spezialmarkt mit deutlich weniger Anbietern; hier lohnt eine gesonderte Prüfung.

Konkret nachsehen: Die Zahlen oben sind Bundesdurchschnitte. Was du selbst sparen kannst, ergibt sich erst aus den Tarifen deines Netzgebiets – der Tarifrechner von Wechselpilot fragt sie live ab, kostenlos und unverbindlich.

Weiterlesen

Tarife jetzt kostenlos prüfen

Werbelink · für dich entstehen keine zusätzlichen Kosten

Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und ersetzt keine individuelle Beratung. Angaben ohne Gewähr.